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Circus Broadside

Manchmal stelle ich mir vor: Ich müsste meine kleinen Hobbyprojekte physisch aufbewahren. Git-Repositories würden sich als lose Blattsammlungen, verstaubte Ordner und ganze Umzugskartons voller Programmcode manifestieren. Sie würden sich auf meinem Schreibtisch türmen, oder moderten in irgendeinem Stauraum vor sich hin. Alle waren zu irgendeinem Zeitpunkt interessant gewesen, hatten dann aber früher oder später ihren Zweck erfüllt. Eine Zeit lang lagen sie wahrscheinlich noch auf dem Schreibtisch, zunehmend aber begraben unter neuen, super-spannenden Ideen. Werden die Stapel zu groß, wandert der Bodensatz dann auf den Dachboden oder in den Keller. Irgendwo zwischen das ausrangierte Snowboard und die Kiste mit alten Ladekabeln. Mit der Zeit vergilbt das Papier und die Aktendeckel wölben sich unter der muffigen Feuchtigkeit veralteter Abhängigkeiten.

Es gibt aber auch diese Projekte, die ihren Platz auf dem Schreibtisch partout nicht räumen möchten. Ab und zu entstaube ich sie, ziehe die Dependencies auf die neuste Version. Vielleicht behebe ich auch mal einen kleinen Fehler, oder es packt mich und ich baue eifrig für ein paar Tage daran, bevor andere Dinge wieder wichtiger werden.

2011 - Schwimmversuche #

Eines dieser Projekte begleitet mich schon eine ganze Weile. Seit 2011. Es ist ein kleines Spiel, in dem man ein Segelschiff aus einer Top-Down-Perspektive steuert. Aus der Not heraus hatte ich mich mit Python beschäftigt: Ich war Soziologie-Student und brauchte dringend noch ECTS-Punkte. Der Python Kurs war zwei davon wert. Meine Karriere hat sich dann anders entwickelt: 2013 fing ich als Programmierer an. Je mehr ich über Softwareentwicklung lernte, desto tollpatschiger fand ich meine ersten Versuche, ein Spiel zu programmieren. Irgendwann schob ich das Projekt beiseite. Für ein paar Jahre.

Ein Screenshot der Python-Version von 2014

2019 - Zurück im Trockendock #

2019 habe ich mir ein neues Skateboard zugelegt. Die daran anschließende, beinbruchbedingte Zwangspause habe ich genutzt, um mit dem Spiel nochmal neu anzufangen. Inzwischen war ich Java-Entwickler. Ich suchte also nach einer Möglichkeit, mit Java Spiele zu entwickeln und fand LibGDX. Kurz nachdem ich meinen Gips los war, konnte ich meine Geografiekenntnisse dahingehend aufbessern, dass ich von der Existenz einer chinesischen Millionenstadt namens Wuhan erfahren durfte. In der Folge hatte ich wieder viel Zeit in den eigenen vier Wänden, die ich der Spieleentwicklung widmen konnte.

2026 - Stapellauf? #

Wieder ein paar Jahre später und das Spiel hat so seine Entwicklung durchgemacht. Anfänglich sollte es einfach ein kleines Multiplayerspiel mit kurzen Matches werden. Irgendwas mit Piraten. Death Match auf dem Wasser. Zwischendurch hatte ich große Ideen mit einer Open World und anderer Quatsch. Inzwischen bin ich wieder bei der anfänglichen Idee.

Screenshot von Circus Broadside in der Version vom Juni 2026

Und damit sind wir im Jahr 2026 und ich bin immer noch dabei. Ich habe eine Seite auf itch.io angelegt und es ein paar Testspielern gezeigt. Es gibt noch viel zu tun, aber irgendwie macht das Ding Spaß (zumindest mir und ein paar anderen). Außerdem habe ich einen Namen dafür gefunden. In den letzten 15 Jahren habe ich es meistens nur “dieses Schiffspiel” genannt. Seit Neustem habe ich aber eine itch.io Seite dafür, und dort heißt es: Circus Broadside

Ein paar kleine Änderungen will ich noch machen, bevor ich das Spiel für die Allgemeinheit zum Download freigebe. Und ich hoffe, das dauert keine 15 Jahre mehr.